Trockne niemals Tränen ohne Handschuhe - Lesung mit Gottfried Lorenz
Als Dr. Gottfried Lorenz anfing aus dem Buch vorzulesen wurde es still im Raum. Still vor Wut. Still vor Trauer. Still vor dem Wissen, dass queere Geschichte niemals nur Vergangenheit ist. Die Bücher erzählen vom Leben, Lieben, Hoffen und Sterben schwuler Männer während der AIDS- Katastrophe der 1980er Jahre. Von Freundschaft, Ausgrenzung, Angst, Religion, Verlust - aber auch von Humor, Nähe und Liebe.
Besonders eindrücklich waren die Erzählungen von Dr. Gottfried Lorenz über die emotionale Herausforderung, diese Werke ins Deutsche zu übersetzen - nicht nur sprachlich. Selbst der für das Layout zuständige Mensch musste mehrfach aussteigen, weil die Inhalte kaum auszuhalten waren. Und genau das beschreibt dieses Werk vermutlich am Besten. Dieses Buch macht etwas mit Menschen: Es macht wütend. Es bricht einem das Herz. Und trotzdem bringt es einen manchmal zum Lachen.
Der Titel „Trockne niemals Tränen ohne Handschuhe" erinnert an eine Zeit, in der Menschen mit AIDS isoliert und entmenschlicht wurden - als wären selbst ihre Tränen gefährlich. Und genau darin liegt auch die Verbindung zur Offenbarung des Johannes: „Er wird alle Tränen abwischen..." Offenbarung 21,4. Doch während die Bibel von Trost, Würde und Erlösung spricht, zeigt dieses Werk die harte Realität vieler Menschen während der AIDS-Krise: Tränen wurden oft nicht abgewischt. Zumindest nicht ohne Distanz. Nicht ohne Angst. Nicht ohne Handschuhe. Dieses Werk zeigt, warum Erinnerung wichtig bleibt. Warum queere Geschichte erzählt werden muss. Und warum Mitgefühl niemals selbstverständlich ist. Für die, die wir verloren haben. Für die Geschichten, die bleiben müssen. Für Erinnerung, Würde und Menschlichkeit. (Text: Queer History Month / Bilder: Helga Ebsen) Eine der zahlreichen Bestellmöglickeiten online
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