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Neues Gutachten: HIV-Versorgung in Deutschland vor Herausforderungen

Ein aktuelles Gutachten warnt vor drastischen Versorgungslücken in der HIV-Medizin in Deutschland. Bis 2035 könnten laut Prognosen rund 130 spezialisierte HIV-Ärzt:innen fehlen – das entspricht etwa einem Viertel des künftigen Bedarfs. Besonders in ländlichen Regionen drohen massive Zugangsprobleme.

Versorgung am Limit

Zwar ist das deutsche HIV-Versorgungssystem derzeit leistungsfähig: Rund 80 % der Menschen mit HIV werden erfolgreich ambulant durch spezialisierte Ärzt:innen behandelt. Doch die Zahl der Patient:innen mit komplexem Versorgungsbedarf steigt – u. a. durch Alterung und Begleiterkrankungen. Zwischen 2014 und 2023 stieg die Zahl der Patient:innen in spezialisierter Versorgung um 38 %.

Dieser Trend hält an: 2035 werden voraussichtlich rund 96.500 Menschen jährlich eine spezialisierte HIV-Behandlung benötigen. Die Inanspruchnahme der Leistungen könnte dabei um bis zu 44 % steigen.

Zu wenig Praxen, zu wenig Nachwuchs

Demgegenüber stagniert seit Jahren die Zahl der HIV-Schwerpunktpraxen. Die Folge: In Ballungsräumen droht Überlastung – in ländlichen Regionen droht Unterversorgung. Ältere Menschen mit HIV stehen dabei vor besonderen Hürden, etwa langen Wegen oder fehlender geriatrischer Expertise.

Zentrale Empfehlungen des Gutachtens:

 • Nachwuchsförderung stärken: Förderprogramme für hausärztliche Praxen, flexible Weiterbildung, Einbindung in bestehende Schwerpunktstrukturen.

 • Teilnahme an HIV-Versorgung erleichtern: Organisatorische, fachliche und finanzielle Unterstützung für Ärzt:innen, sektorübergreifende Kooperationsmodelle.

 • Versorgungslücken auf dem Land schließen: Telemedizinische Netzwerke und regionale Transporthilfen.

 • Prävention stärken: Bessere Zugänglichkeit und Vergütung der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

 • Geriatrische und psychosoziale Versorgung ausbauen: Stärkere Vernetzung mit geriatrischen Einrichtungen, mehr Schulungen und digitale Angebote.

Stimmen aus dem Konsortium

„Um den Versorgungsstandard zu halten, brauchen wir belastbare Erkenntnisse und gezielte Maßnahmen“, sagt PD Dr. Markus Bickel (dagnä). Dr. Hannah Linke (DAIG) betont: „Die Expertise in der HIV-Medizin darf nicht verloren gehen.“ Und Anne ten Fallois (DAS) ergänzt: „Wir brauchen psychosoziale Unterstützung ebenso wie medizinische Versorgung.“

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Das Gutachten wurde von dagnä, der Deutschen AIDS-Stiftung und der Deutschen AIDS-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem IGES Institut erstellt. Die Präsentation fand am 10. Juli 2025 im Rahmen des Forums HIV 2025 in Berlin statt.

Die Langfassung steht auf den Websites der beteiligten Organisationen zur Verfügung.

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